Traumwochenende in Lettland: Riga und Jurmala

Traumwochenende in Lettland: Riga und Jurmala

Der Wind pfeift uns bei Minus 17 Grad um die Ohren. Es ist so kalt, dass ich kaum fotografieren kann. Wir stehen auf einer immensen Schneefläche, während an uns Skilangläufer vorbeibrausen, und wissen nicht, ob sich darunter noch der Strand oder schon das vereiste Meerwasser befindet. Hinter uns erstreckt sich dichter Wald viele Kilometer die Küste entlang. Vor uns sehen wir eine kleine Erhebung. Ist das eine gefrorene Welle? Wir befinden uns am Strand von Jurmala. Unvorstellbar, dass man hier im Sommer eine Dünenlandschaft vorfinden soll. Die Erfahrung von Meer und Strand ist so ganz anders, als ich es kenne. Ganz schön ungemütlich war es draußen in Lettland an diesem Wochende und trotzdem war es unglaublich erfüllend …

Architektonische Highlights im winterlichen Riga

Bevor wir die nordische Meererfahrung machten, widmeten wir uns am Samstag aber erst mal der lettischen Hauptstadt Riga. Wo man hinsieht in Riga, findet man architektonische Schönheiten. Das ist auch der UNESCO nicht verborgen geblieben. Vor allem wegen ihrer Jugendstil-Perlen gehört Riga, das auch „Paris des Ostens“ genannt wird, zum UNESCO-Weltkulturerbe. Und das ist wiederum den Touristen nicht verborgen geblieben. Im Winter ist Riga jedoch wenig besucht. Selbst vor den berühmtesten Sehenswürdigkeiten sieht man nur wenige Reisende. Die meisten Besucher Rigas starten ihre Tour in der Altstadt. Da Riga aber eben für seinen Jugendstil bekannt ist, haben wir uns dazu entschieden, dort zu beginnen, wo die Dichte an Jugendstilgebäuden besonders groß ist. Und zwar in Centrs. Hier haben wir berühmte Straßen wie Alberta und Elizabetes Iela erkundet und waren erfreut, im schönen Café Rasol Jugendstil-Interieur vorzufinden.

Erst später erkundeten wir die mittelalterliche Altstadt Rigas mit ihren vielen imposanten Kirchtürmen. Dort befindet sich z.B. das berühmte Schwarzhäupterhaus, das wegen seiner Rottöne einen besonders schönen Kontrast mit dem Schnee bildet. Wegen der Eiseskälte haben wir uns aber auch bei diesem Abschnitt unserer Tour durch Riga wieder länger ins Café geflüchtet.

Da ich als Münchnerin möglicherweise von schönsten Jugendstil-Fassaden und als Bayerin von mittelalterlichen Altstädten verwöhnt bin, war mein persönliches Sightseeing-Highlight in Riga aber etwas anderes: der Anblick der orthodoxen Geburtskathedrale im Schnee machte mich sprachlos. Sie verleiht der Stadt einen Hauch Exotik und ich hatte das Gefühl für ein Wochenende in einer anderen Welt gelandet zu sein.

Schwarzhäupterhaus Riga
Schwarzhäupterhaus Riga
Geburtskathedrale Riga
Geburtskathedrale Riga

Riga und sein Hipster-Flair

Hipster und Riga? Ja, Du hast richtig gehört. Von außen wirkt die Stadt gerade im Winter etwas kühl und unnahbar, aber in den Cafés und Restaurants tobt das trendy Leben. Das ist erstaunlich, denn wenn man im Winter in Rigas Zentrum unterwegs ist, sieht man viele Menschen mit Pelzmänteln und entsprechenden Mützen (für mich als Veganerin ein Graus!). Da das nicht nur wenig tierfreundlich, sondern auch eher altbacken wirkt, erwartet man nicht unbedingt ein paar Straßen weiter die hippsten veganen Cafés zu finden. Die Gastroszene in Riga ist innovativ, vielfältig und kreativ. Ich mag diese Art von Cafés und Restaurants und war äußerst happy, dass ich tolles veganes Essen bekommen konnte. Wir machten ein regelrechtes Café-Hopping, da uns die Kälte von unter Minus 10 Grad beim Sightseeing doch sehr zusetzte.

Jugendstil in Café in Riga
Jugendstil-Interieur in Café in Riga
Cafe in Geschäft in Riga
Shop-Café in Riga

Aufwärmen nach einem langen Tag: SPA

Was gibt es Besseres, als nach einem kalten Wintertag ausgiebig zu saunieren. Das Baltikum hat ähnlich wie das nahe Finnland und Russland eine ausgeprägte Sauna-Kultur. Insofern bot es sich an, den historischen Kurort Jurmala an der naturbelassenen Ostseeküste als Übernachtungsort zu wählen. Jurmala ist von Riga nicht weit entfernt. Da wir auf Reisen immer viel vom Tag haben wollen, stürzen wir uns selten ins Nachtleben. Insofern setzten sich bei uns die Saunaangebote in Jurmala gegen das lebendige Barleben in Riga durch.

Der Aufenthalt in unserem SPA-Hotel in Jurmala war für deutsche Verhältnisse vergleichsweise günstig, auch wenn der Ort einen Ruf als beliebte Destination des russischen Jetsets hat. Ich kann natürlich nicht sagen, ob ich mit dem „Jetset“ in der Sauna saß. Jedenfalls gibt es in Jurmala definitiv viele russischsprachige Besucher. Allerdings muss man dazusagen, dass in Lettland auch sehr viele russischstämmige Menschen leben. Sie haben einen prozentual höheren Anteil an der Bevölkerung als die Letten.

SPA und Fitnessbereich im Hotel in Jurmala
SPA und Fitnessbereich im Hotel in Jurmala

Jurmala – ein Traum aus Meer, Wald und Holzhäusern

Den Sonntag widmeten wir Jurmala. So schön und prächtig Riga und seine Architektur sind, Jurmala gerfiel mir persönlich ganz besonders gut. Der historische SPA-Ort verfügt über einige denkmalgeschützte Holzhäuser mit Jugendstil-Elementen, die an kleine Schlösser, aber auch an schwedische Holzhäuser erinnern. Jurmala ist eigentlich eine Ansammlung von verschiedenen Ortschaften und erstreckt sich um die 25 km entlang der Ostseeküste. Viele Ortsteile liegen malerisch mitten im Wald. Den üppigen Nadelwald entlang des langen Strandes fand ich sehr ansprechend, da er nicht nur gesunde Luft schenkt, sondern auch etwas Geheimnisvolles und Archaisches an sich hat. Vielleicht auf Grund seiner Größe. Er beeindruckte mich schon nach unserer Landung auf dem Flughafen Riga. Wir fuhren von dort aus am Freitag Abend noch mit dem Mietauto nach Jurmala, immer am schier unendlichen Nadelwald entlang. Auch beim Frühstück im Hotel in Jurmala hatte man das Gefühl, mitten im Wald zu sitzen. Nachdem wir uns in die Kälte am Strand gewagt hatten, um mit Mühe und Not vereistes Meer zu fotografieren, testeten wir die schönen Cafés von Jurmala, die zum Teil historisch eingerichtet waren. Danach war uns warm genug, um noch einmal bei unglaublich kaltem Wind den Anblick des Meeres zu genießen. Die Eiseskälte von bis zu Minus 17 Grad im Februar erschwerte uns in Jurmala den Besuch am Meer ganz schön. Aber spricht es nicht für diesen Ort, dass ich meine schönste Lettland-Erinnerung trotzdem damit verbinde?

Wenn ich an Lettland im Winter denke, spüre ich jetzt noch die klirrende Kälte in den Knochen. Aber ich denke auch an ein echtes Traumwochenende, das mir innerhalb kurzer Zeit schönste und unvergessliche Reisefahrungen bescherte, an die ich noch lange denken werde. In Jurmala habe ich mich ein wenig verliebt. Das ist einer der Orte, an die ich jeder Zeit zurückkehren würde. Und das ist auch gut möglich, denn Riga und Jurmala liegen nur zwei Flugstunden von Süddeutschland entfernt.

Transparenz: Die Verlinken kommerzieller Anbieter basiert auf meiner freiwilligen Entscheidung. Die Kosten für unsere Reise haben wir komplett selbst getragen.

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8 thoughts on “Traumwochenende in Lettland: Riga und Jurmala

  1. kurzreisenundme

    Hallo Ricarda,
    danke für diesen sehr schönen Bericht. Nach Riga will ich auch inbedingt einmal und dann werde ich den Tipp annehmen und im Winter hinfahren. Denn diese Kühle mag ich gern. Und vor allem die Aussicht auf das Aufwärmen und Entspannen in der Sauna macht einen solchen Tag perfekt!
    Viele Grüße
    Diana

    1. Ricarda Christina Hollweg
      Ricarda Christina Hollweg

      Liebe Diana,
      danke für das nette Feedback. Ja, dann ist das Baltikum im Winter sicher ein ideales Ziel. Ich bin eigentlich kälteempfindlich, möchte das Erlebnis, den Strand von Jurmala bei Schnee und Eis erlebt zu haben, aber nicht missen.
      Viele Grüße,
      Ricarda

  2. Ich muss zugeben, Lettland hatte ich bisher noch gar nicht auf meinem Reiseradar! Dank deinem informativen Beitrag bekomm ich aber direkt Lust, mich da mal näher zu informieren 🙂

    1. Ricarda Christina Hollweg
      Ricarda Christina Hollweg

      Liebe Christine,
      Lettland ist sicher noch ein Hidden Gem, wo es viel zu entdecken gibt. Nur im Sommer ist in Riga viel Tourismus. Freut mich sehr, wenn ich etwas Interesse wecken konnte.
      Viele Grüße
      Ricarda

  3. Riga ist so eine tolle Stadt, mir hat es da auch richtig gut gefallen. Irgendwann will ich auch noch einmal im Sommer hin, denn als ich im Herbst da war, hat es fast durchgängig geregnet. Trotzdem, mit den tollen Bauten und den hübschen Cafés, hat es bei mir, ebenso wie bei dir, einen großartigen Eindruck hinterlassen. Meine 15 Highlights findest du hier: http://passenger-x.de/reisen/europa/baltikum/riga-highlights/ . Schau mal rein, da wirst du einiges Wiederfinden, was auch dich begeistert hat:)

    Liebe Grüße
    Nicole vom Reiseblog PASSENGER X

    1. Ricarda Christina Hollweg
      Ricarda Christina Hollweg

      Hi Nicole,

      im Sommer würde mich Riga auch noch mal reizen, mich schrecken allerdings die Touristenmassen, die es zu der Jahreszeit geben soll, etwas ab. Dein Artikel macht auf jeden Fall Lust, nochmal hinzufliegen. Danke für’s Teilen.

      LG Ricarda

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