Ökotourismus in Nepal: Community Trekking

Ökotourismus in Nepal: Community Trekking

Unsere vierwöchige Nepalreise hat einen besonderen Stellenwert in meinem Leben, denn wir haben uns in Nepal auf über 3.000 m Höhe verlobt. Aber nicht nur deswegen. Nachdem ich bereits über unseren Trip durch Tibet, von Lhasa nach Kathmandu, berichtet habe, werde ich nun von meinen Erlebnissen in Nepal erzählen, wo ich mit dem Community Trekking eine spannende und sinnvolle Art des Reisens erfahren durfte und meine ersten Erfahrungen mit Ökotourismus machen konnte. In einer abgelegenen Region vor der Kulisse des großartigen Annapurna-Gebirges folgten wir „Hidden Traces“ der besonderen Art.

Was ist das Besondere an Community Trekking in Nepal?

Community Trekking ermöglicht eine authentische Art des Reisens. Du übernachtest in einfachsten Homestays und bekommst das Leben in den Bergdörfern mit. Das bedeutet aber auch, dass Du auf Komfort verzichten musst. Das Geld, das Du für das geführte Trekking bezahlst, landet nicht nur beim Reiseveranstalter. Es kommt auch den Menschen in der Region zu Gute und soll der Entwicklung dienen. Begegnungen mit einheimischen Erwachsenen und Gruppen neugieriger Kinder stehen auf der Tagesordnung. Mit Fotos waren die Nepalesen immer einverstanden. Unglaublich schön fanden wir es, dass wir beim Abstieg spontan zu einer Party eingeladen wurden. Hier feierten die Einheimischen das Ereignis, dass ein Baby das erste Mal feste Nahrung zu sich nimmt, mit einem so genannten Reisfest. In Nepal trifft man viele verschiedene Ethnien. Neben den dramatischen Landschaften und der spannenden Kultur macht das für mich den besonderen Reiz Nepals aus, vor allem auch als Fotografin. Während des Community Trekking werden lokale Produkte verkauft. Ich bin normalerweise eher bockig, wenn man mir etwas verkaufen möchte. Die nepalesischen Frauen wollte ich jedoch gerne unterstützen und konnte mit dem Kauf von ein paar handgemachten Kleidungsstücken vielleicht ein wenig zu ihrer Unabhängigkeit beitragen. Neben sozialen Initiativen gehören zu einer Ökotourismus-Trekkingtour natürlich auch Umweltmaßnahmen. So setzt man zum Beispiel auf Solarduschen.

Unsere Trekking-Route

Interessant an unserem Trekking war, dass uns der Weg durch unterschiedliche Klimazonen führte. Wir passierten Weiler und Dörfer, die nicht so überlaufen waren: Bas Kharka, Danda Kharka, Nangi und Tikot. Diese befinden sich zwischen den Bergen Annapurna, Dhaulaghiri und Machapuchre. Wir überquerten zum Start eine abenteuerliche Hängebrücke, gingen anschließend eine gefühlte Ewigkeit sehr steile Treppen nach oben und wanderten schließlich unter dem Blätterdach unzähliger Rohododendronbäume durch einen urwüchsigen und verwunschenen Wald. Hier befindet man sich in der subtropischen Klimazone, was man unter anderem an den lauten Geräuschen der vielen Grillen erkennen kann. Weiter oben warteten Terrassenfelder auf uns. In Nepal erreicht man, anders als in Europa, erst ab ca. 3.000 Metern die Baumgrenze. Die Dörfer waren einfach zauberhaft: Ich werde nie vergessen, wie wir früh morgens durch Tikot  liefen und uns ein Büffel begegnete. Genauso schön war es, in einem Garten anzukommen, in dem Mangos und Bananen angebaut wurden. Jede Station hatte ihren ganz besonderen Reiz. Ich habe die entspannte Zeit bei den Etappenzielen am Ende der vielstündigen steilen Wanderungen immer sehr genossen: Durch einen tropisch anmutenden Garten wandeln oder vor einem Ofen zu sitzen, einen Ingwer- oder Gewürztee zu trinken und in Ruhe ein Buch zu lesen.

Essen und Trinken beim Community Trekking

Gegessen wird in der Regel in der so enannten „Community Hall“ des Dorfes. Dort wurden wir nach unsereren Tagesetappen mit wohlschmeckendem nepalesischem Essen versorgt. Es gibt auf Trekking-Touren in Nepal in der Regel nur vegetarisches Essen. Auch Veganer werden in diesem Land glücklich, denn Dal Bhat, das Nationalgericht, kommt ohne tierische Produkte aus. Mir hat es gut gefallen, dass wir selbst angebautes Gemüse bekamen. Appetit auf das nepalesische Essen bekommt man, wenn man in den Bergdörfern an trocknendem und in der Sonne feuerrot leuchtendem Chili vorbeikommt. Man isst in Nepal übrigens traditionell ohne Besteck, was ich selbstverständlich auch ausprobieren musste. Zum Trinken bekommt man beim Community Trekking, wenn man möchte, sogar Bier. Vorbildlich nachhaltig fand ich, dass für das Trekking keine Plastikflaschen angeboten wurden, sondern dass man die Wasserflasche mit gereinigtem Trinkwasser auffrischen konnte. Auch hat mich beeindruckt, dass wir in den Community Halls teilweise gut funktionierendes WLAN hatten. An einem der Tourtage begegneten wir einem Einheimischen, der ein an seinem Rucksack befestigtes Paket mit einem neuen WLAN-Router über die steilen Wanderwege in sein Heimatdorf transportierte.

Nepalesisches Mittagessen im Freien
Nepalesisches Mittagessen im Freien
Trocknende Chili in Nepal
Trocknende Chili

Verlobung auf über 3.000 m Höhe

An und für sich waren die Minuten vor dem Ereignis bereits ein echtes Highlight. Wir standen an diesem Tag besonders früh auf, um uns den Sonnenaufgang auf über 3.000 m Höhe vom Aussichtsberg Mohare Hill vor der Kulisse des Annapurna anzusehen. Dieses Spektakel sahen sich mit uns auch unsere Guides und unsere Freunde aus Nürnberg an, die wir auf der Reise kennengelernt hatten. Als das Licht die grandiosen weißen Annapurna-Gipfel am schönsten anstrahlte, hielt Chris um meine Hand an. Es gibt für mich keinen schöneren Ort für eine Verlobung als diesen inmitten von Bergen, die zum Teil um die 8.000 Meter hoch sind. Neben unserer Hochzeit in Italien und Thailand war dieser Morgen natürlich das bisher großartigste Reiseerlebnis für mich.

erlobung auf dem Mohare Hill
Unsere Verlobung auf dem Mohare Hill
Mohare Hill in Nepal
Aussichtsberg Mohare Hill auf 3.330 m
Sonnenaufgang über dem Annapurna
Sonnenaufgang über dem Annapurna

Noch mehr unvergessliche Erlebnisse

Unsere Guides haben uns ein besonders schönes Erlebnis beschert. Bei unserer vorletzten Station auf dem Trek wurde nach dem Abendessen vor der Hütte ein Lagerfeuer angezündet. Mit Handys machten sie Musik an – nepalesische Folklore, sangen und tanzten dazu. Wir haben uns aus Nepal auch Musik mitgebracht und freuen uns immer wieder, wenn wir diese Lieder hören und an diesen schönen Abend denken.

Gut in Erinnerung habe ich auch, dass wir an manchen Etappenzielen mit Blumenketten begrüßt wurden. Die Gastfreundlichkeit der Einheimischen war herzerwärmend. Einmal wurden wir mittags in der Höhe auch bekocht. Es wurde dazu ein Zelt zum Kochen aufgebaut. Nach dem leckeren Essen legten wir uns zum Ausruhe auf eine Wiese, schauten nach oben auf die enormen Himalaya-Gipfel und sahen einem Adler zu, wie er majästetisch über uns kreiste. Kurze Zeit später kamen wir an einem kleinen hinduistischen Tempel und an besonderen Tieren vorbei (Mischung aus Yaks und Kühen).

Last but not least: Wir haben auf dieser Reise Freunde gefunden, die ebenso gerne reisen wie wir: Petra und Rainer. Rainer ist übrigens ein großartiger Reisefotograf, dessen Können und Leidenschaft für Fotografie mir viel Inspiration und Motivation gegeben hat. Er hat die Nepal- und Tibetreise, die wir gemeinsam unternommen haben, auf seiner Fotoseite dokumentiert. Die Sammlung beeindruckt mich vor allem wegen der vielen schönen Porträtfotos.

Wir haben das Community Trekking mit Royal Mountain Travel. Aktuell bietet Royal Mountain Travel auf seiner Website diese Tour an, die die Bergdörfer unserer Trekking-Route einschließt:

Annapurna Community Adventure Trek

Transparenz: Die Nennung des Anbieters basiert auf meiner freiwilligen Entscheidung. Die Kosten der Reise habe ich komplett selbst getragen.

Wenn Dir mein Artikel gefallen hat, könnte Dich vielleicht auch mein Beitrag zum Thema Offline-Zeit und ländlicher Tourismus auf La Gomera interessieren.

Wenn Du regelmäßig Updates zu meinen Artikeln und Aktivitäten erhalten möchtest, dann trage Dich dafür ein (rechts oben am Rechner, unter dem Artikel auf dem Smartphone).

Pinne den Artikel auf Pinterest, um ihn Dir zu merken oder ihn zu empfehlen!

PinterePin Ökotourismus in Nepal

Der Artikel ist auch in en_GB verfügbar.

9 thoughts on “Ökotourismus in Nepal: Community Trekking

  1. Ich kann mir gut vorstellen, dass es ein unvergleichliches Erlebnis ist, wenn man die Menschen vor Ort in ihrer Welt erlebt. Dafür lohnt es sich, auf Luxus zu verzichten.

    1. Ricarda Christina Hollweg

      Liebe Monika, ja, ich finde auch, dass es sich absolut gelohnt hat, auf ein paar Annehmlichkeiten zu verzichten. Danke für Deinen Kommemtar. LG, Ricarda

  2. Wow, was für ein tolles Abenteuer. Nepal steht zudem ganz oben auf meiner Reisewunschliste. Und dieses Community-Trekking hört sich tatsächlich nach einer sehr authentischen und sinnvollen Art des Reisens an. Ohne Luxus zu reisen bin ich ja ohnehin schon gewohnt. Und meine allerherzlichste Gratulation zur Verlobung!!!! Auch ich könnte mir keinen schöneren Ort dafür vorstellen, als irgendwo auf den Bergen. Ich wünsche euch alles Gute für die Zukunft 🙂

    Liebe Grüße,
    Michaela

    1. Ricarda Christina Hollweg

      Liebe Michaela, ja, das waren schon ganz besondere Erlebnisse in diesem Urlaub. Danke für die guten Wünsche. Wir sind nun schon eine gewisse Zeit glücklich verheiratet 🙂 LIebe, Grüße, Ricarda

  3. Was für ein schöner Einblick!! Nepal wollen wir auf jeden Fall auch bereisen. Community Trekking klingt ziemlich gut, und wenn es denn Einheimischen auch zugutekommt, dann ist es um so besser. Für Eure Verlobung wünsche ich Euch das Beste. Was für ein genialer Ort dafür.
    Liebe Grüße, Selda.

  4. Ricarda Christina Hollweg

    Liebe Selda, herzlichen Dank für Deinen Kommentar und die netten Wünsche. Wir haben dann schließlich auch auf Reisen geheiratet. Unsere Verlobung liegt schon ein Weilchen zurück. 🙂 LG, Ricarda

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die DSGVO-Checkbox ist ein Pflichtfeld

*

Ich stimme zu