Lothringen: Wenig beachtetes Frankreich

Lothringen: Wenig beachtetes Frankreich

Obwohl es dort ziemlich voll von Besuchern ist, bereisen wir das Elsass immer wieder gerne. Natürlich möchte ich auch immer wissen, was es drum herum gibt. Außerdem reise ich oft ins Saarland und wollte schon immer mal sehen, wie es hinter der nahen französischen Grenze aussieht. So bin ich einfach gestrickt. Hinzu kommt, dass mir die französische Lebensart gefällt und ich mein Französisch fit halten möchte. Lothringen (französisch Lorraine) ist ein guter Ort dafür, denn anders als im Elsass sind Deutschkenntnisse nicht selbstverständlich. Also planten wir ein Wochenende in Lothringen. Ich wusste vorher über Lothringen so gut wie nichts, abgesehen von seiner Geschichte zwischen Frankreich und Deutschland. Angeregt durch Tipps entschlossen wir uns, die beiden Städte Nancy und Metz zu besuchen.

Lothringen: Erste Eindrücke

Nach Lothringen fuhren wir von Saarbrücken aus. Von dort ist die geschichtsträchtige französische Stadt sehr gut zu erreichen. Eigentlich hatten wir eine Bahnreise geplant, aber da die Oberleitungen in diesem Teil Frankreichs gerade defekt waren, organisierten wir uns einen Mietwagen, um das daraus resultierende Chaos zu vermeiden. Die französische Grenze ist von der saarländischen Hauptstadt nur ein paar Kilometer entfernt. Direkt hinter der Stadt beginnt ein anderes Land, wenn auch erst mal keine „andere Welt“. Tatsächlich gehört Lothringen nach einer turbulenten Geschichte erst seit 1944/1945 wieder zu Frankreich. Obwohl Lothringen (ursprünglich deutschsprachiger Teil unter fränkischem Einfluss) und das Elsass (unter alemannischem Einfluss) andere kulturelle Wurzeln haben, waren die beiden Gebiete im 19. Jahrhundert zu Elsaß-Lothringen zusammengefasst worden. Zunächst sieht es hinter der Grenze ähnlich aus wie im Saarland. Man merkt, dass die Gegend industriell, durch Bergbau (Steinkohleabbau) und Schwerindustrie, geprägt wurde. Man kann in dieser Gegend Bergbaumuseen besichtigen. Vor allem hinter Metz sieht die Landschaft idyllischer aus. Grüne Weiden mit vielen Kühen prägen das Landschaftsbild. Zwischen Metz und Nancy fährt man durch den regionalen Naturpark Lothringen. Gerne hätte ich die kleinen Dörfer Lothringens etwas erkundet, um „Hidden Gems“ zu finden. Auch hätte mich eine Wanderung in den nördlichen Vogesen interessiert, zumal mir frühere Outdoor-Aktivitäten in den südlichen Vogesen gut gefallen hatten. Leider war aber in den zwei Tagen keine Zeit dafür, denn die beiden größeren Städte Nancy und Metz füllten unsere Zeit voll aus. Wir wurden mit einem  Reichtum an Architektur und dem französischen Savoir-Vivre, ohne das ein Frankreich-Besuch für mich nicht vollständig ist, belohnt.  Nancy und Metz sind  sehr unterschiedliche Städte. Wo die Unterschiede und ihre jeweiligen Vorzüge liegen, werde ich in den nächsten beiden Kapiteln beschreiben.

Nancy: Wunderschöne UNESCO-Weltkulturerbe-Stadt

Liebe auf den ersten Blick

Nancy war mir ganz besonders empfohlen worden. Ich hatte mir von der Stadt also auch recht viel erwartet. Tatsächlich wurden meine Erwartungen noch übertroffen. Auch Chris gefielt es in Nancy außerordentlich gut. Unsere Begeisterung lag nicht nur an der sensationellen Architektur der Stadt, sondern auch an dem typisch französischen Flair. Wir lieben es, auf Reisen wie auch in München, stundenlang im Café zu verweilen. Die Straßencafés in Nancy sind ein toller Ort dafür. Schon unser erster Eindruck von der Stadt war sehr schön. Wir parkten das Auto in der Nähe des imposanten Tors „Porte de la Craffe“ und genossen vor dieser Kulisse ein schönes Mittagessen im Freien. Selbst als Veganerin habe ich in Frankreich eigentlich nie schlecht gegessen.

Prächtiger Stadtkern

Architektonisch ist Nancy bekannt für Barock und Jugendstil. Die Stadt wartet mit einem unglaublichen Reichtum an schönen Bauwerken auf, was mit der Vergangenheit als Hauptsitz des Herzogtums Lothringen zu tun hat. Die barocke Architektur konzentriert sich um den großen und repräsentativen „Place Stanislas“, der auch auf der Liste des UNESCO Weltkulturerbes aufgeführt wird. Der große Platz ist wirklich atemberaubend. Bemerkenswert fand ich hier vor allem die vielen goldenen Tore, die auch auf dem angrenzenden Place de la Carrière zu finden sind sowie den Triumphbogen „Arc Héré“. Übrigens lief uns in Nancy eine polnische Reisegruppe über den Weg. Wir fragten uns, was sie wohl an diesen Ort verschlägt, wo man nur wenige Deutsche trifft, obwohl Deutschland so viel näher ist. Ich dachte mir, dass der slawisch klingende Name „Stanislas“ vielleicht etwas damit zu tun haben könnte. Beim Nachlesen erfuhr ich, dass Stanislaus I. Leszczyynski ein Herzog von Lothringen war, der tatsächlich in Polen geboren wurde und zwar im 18. Jahrhundert.

Jenseits von Platz Stanislas

Jugendstilelemente sieht man eher in den Seitenstraßen. Schön waren auch ein Spaziergang und eine ordentliche Portion Eis im Stadtwäldchen „Parc de la Pepinière“. Am Nachmittag schlenderten wir ein bisschen durch die Läden. Das mache ich auf Reisen immer viel lieber, weil es eigentlich fast überall leerer ist als in München und Nancy hat ein tolles Angebot. Danach genossen wir lange die Aussicht auf die neugotische Basilika „Saint-Epvre“ vom Straßencafé aus. Dabei hatte ich dieses „typisch Frankreich“-Gefühl, das ich so liebe. Wir schlossen diesen schönen Tag mit einem Abendessen in einem libanesischen Restaurant ab. Das ist übrigens auch etwas, das ich an Frankreich genial finde: die vielen kleinen orientalischen Restaurants, in denen es mir immer sehr gut schmeckt und die oft mit tollen exotischen Interieurs aufwarten.

Metz: Charmante Vielfalt an der Mosel

Zunächst eher enttäuschend

Im Gegensatz zu Nancy war es so, dass ich mir von Metz sogar mehr erwartet hatte, als ich zunächst vorfand. Metz ist allerdings eine Stadt, für die man etwas Zeit braucht, denn sie hat ganz unterschiedliche Gesichter und erschließt sich einem langsamer, auch wenn sie nur wenig größer ist als Nancy. Beide haben das Ausmaß von kleineren Großstädten. Am Ende fand ich auch diese Stadt sehr schön und war absolut froh, sie genauer erkundet zu haben. Metz hat eine großartige architektonische Vielfalt. Das ist auch nicht verwunderlich, denn die Stadt weist eine beeindruckende Geschichte von 3.000 Jahren auf. Man muss auch dazusagen, dass wir am Sonntag kein besonderes Wetterglück hatten und Sonntage nehmen Städten meiner Meinung nach manchmal etwas Attraktivität, wenn die Geschäfte geschlossen haben. Außer natürlich, die Städte sind üblicherweise überfüllt. Dann können geschlossene Geschäfte ein großer Vorteil sein.

Liebe auf den zweiten Blick

Großartig an Metz ist, dass die Stadt der Standort einer der beeindruckendsten Kathedralen Frankreichs ist. Die gotische Bischofskirche erzeugt eine tolle Stimmung und ein Besuch sollte bei keinem Metz-Aufenthalt fehlen. Die Altstadt ist sehr groß. Mir gefiel die Stimmung an der Mosel und das Ensemble mit der evangelischen Kirche „Temple Neuf“ am Fluss ließ mich an die Île de la Cité und die Kathedrale Notre Dame in Paris denken. Später spazierten wir durch den hübsch angelegten kleinen Park „Jardin Boufflers“ oberhalb der Mosel, wo gerade ein Festival mit Independent-Musik stattfand. Defintiv unser Ding. Direkt daneben fanden wir die Kirche „Saint-Pierre-aux-Nonnains“, übrigens die älteste Kirche Frankreichs, die mit ihrer Kreuzgang-Ruine und einem Miniatur-Irrgarten ein schönes Fotomotiv abgibt. Da war mir klar, dass es Metz wirklich in sich hat.

Unbedingt sehenswert: Das Kaiserviertel von Metz

Im wahrsten Sinne des Wortes ein krönender Abschluss unseres Metz Besuchs war das Kaiserviertel (französisch: Quartier Impérial). Dieses ist wie der Name schon sagt vom Deutschen Kaiserreich geprägt, denn Lothringen unterstand Ende des 19. Jahrhundert direkt dem Deutschen Kaiser. Die Prachtstraßen mit typisch französischen Platanen und repräsentativen Gründerzeitbauten ergeben ein wunderschönes Ganzes. Man trifft in dieser Gegend auf alle möglichen Ausprägungen historistischer Architektur. In diesem Viertel liegt auch der auf Grund seiner Monumentalität sehenswerte Bahnhof Metz-Ville im neoromanisch-wilhelminischen Stil. Spätestens im Kaiserviertel war ich überzeugt, dass Metz tatsächlich ein geniales Reiseziel ist. Beim Zurückgehen zum Auto, das in der Altstadt parkte, wurde mir auch noch einmal bewusst, wie unheimlich groß der historische Kern von Lothringens wichtigster Stadt ist, auch wenn die Altstadt selbst zwar malerisch ist, mich weniger jedoch weniger in ihren Bann zog als die in Nancy.

Lothringen-Fazit: Lohnt ein Besuch?

Ja, ein Besuch lohnt auf jeden Fall, denn sowohl Nancy, als auch Metz sind Städte voller kultureller Schätze und typisch französischer Lebensart. Lothringen ist immer noch wenig beachtet, obwohl sich das wohl aktuell ändert. Also ist jetzt die beste Zeit, den nordöstlichen Rand Frankreichs kennen zu lernen. Als Basis für eine Übernachtung finde ich Nancy persönlich attraktiver, da es in meinen Augen noch mehr französisches Flair bietet als Metz, was vielleicht an dessen Nähe zu Deutschland liegt.

Empfohlen:  Beide Städte und ein Abstecher nach Saarbrücken

Auf jeden Fall empfehle ich, beide Städte zu besuchen, da beide sehr unterschiedlich sind und Architektur-Schätze aus ganz unterschiedlichen Epochen bieten. Mit der Bahn sind beide Städte vom Saarland aus bequem zu erreichen. Umsteigen kann zwar notwendig sein, aber Nancy und Metz befinden sich trotzdem in Tagestrip-Distanz zu Deutschland. Wenn man wiederum Lothringen direkt ansteuert, empfehle ich einen Tagesausflug nach Saarbrücken, das ebenso wie Nancy mit barocken Juwelen wie schneeweißen Häusern und prachtvollen Kirchen glänzt.

Mehr Reiseinspiration von Hiddentraces

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Transparenz: Das Nennen von Destinationen basiert auf meiner freiwilligen Entscheidung. Die Kosten für unsere Reisen haben wir komplett selbst getragen.

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Schätze in Lothringen Frankreich

 

 

 

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