Momentaufnahme einer Kuba Reise

Momentaufnahme einer Kuba Reise

Es ist schon eine spannende Zeit, in der wir Kuba besucht haben. Nur kurz vorher waren Obama und die Rolling Stones dort. Schon länger hatte ich von der Aufbruchsstimmung im Land gehört. Kuba stand schon seit Längerem auf meiner Reiseliste. Mein Mann Chris und ich wollten das Land sehen, bevor es sich total verändert. Da sind wir natürlich nicht die Einzigen, das war uns bewusst. Wir haben es trotz großem Touristenandrang nicht bereut: Es war spannend, Kuba im Umbruch zu erleben und hat uns viel über das Land nachdenken und diskutieren lassen. Hier ein paar Beobachtungen zum Status Quo auf der Insel:

1. Die Veränderung ist bereits in vollem Gange

Man hört viel über Kuba als kommunistisches Land. Genau genommen ist es sozialistisch. Und auch vieles Anderes, was man hört, ist nicht ganz zutreffend. Kuba erlaubt mittlerweile privates Unternehmertum. Die Leute brennen häufig für ihr Business. Das ist schön zu sehen und man profitiert auch als Kunde davon. Überzeugen konnten wir uns während unserer Kuba Reise davon in erstklassigen Casas Particulares – durchaus geschäftstüchtig – aber wer kann es ihnen verwehren?

Privatunterkunft in Kuba
Casa Particular in Kuba

Übrigens haben wir Kuba als das sauberste Entwicklungsland empfunden, das wir bisher bereist haben. Auch in der Vergangenheit ist nicht alles in diesem Land katastrophal verlaufen. Herausragend ist die hohe Alphabetisierungsquote der Kubaner (höher als in Deutschland!) und die für ein Entwicklungsland außergewöhnlich hohe Lebenserwartung. Daneben sind lange Warteschlangen und eine begrenzte Auswahl an Gütern wie Lebensmittel die Realität. Abartig lange Wartezeiten durften wir bereits nach der Ankunft am Flughafen erleben. Ein Erlebnis in einem Ausmaß, wie ich es noch nirgendswo auf der Welt hatte. Und ich habe noch nie ein Land mit so wenigen Geschäften gesehen. Die Pause vom Überangebot an Konsum habe ich persönlich genossen, aber es ist mir klar, dass der kubanische Alltag kein Zuckerschlecken ist.

2. Die Kubaner sind nicht gleich

Bereits jetzt hat sich eine Zweiklassengesellschaft herausgebildet. Wir waren überrascht, wie groß die Armut stellenweise trotz des Sozialismus ist. Daneben gibt es eine neue Schicht von Unternehmern, die z.B. durch Business im Tourismus Zugang zu der begehrten Zweitwährung „Convertible Pesos“ haben. Kubaner können so absurderweise als Touristenguide oder Barkeeper mehr Geld verdienen als in ihrem sonstigen Beruf, z.B. Arzt. Wir haben erlebt, dass die Mittelalten und Älteren den Wandel begrüßen, während die Jüngeren gerne USA-Shirts tragen und Ebay und co. kennen. Die Jüngeren nutzen  begeistert die wenigen Internet-Hotspots. Trotzdem sind sie resigniert, da sie denken, dass sich in ihrer Lebensspanne nichts mehr verändern wird.

Kubanische Son Band
Verschiedene Generationen

Überwiegend haben wir auf unserer Kuba Reise gute Erfahrungen mit den Menschen gemacht – abgesehen von einem aggressiven Touristenschlepper in Trinidad und einer groben Abzocke in einem Paladar, einem privaten kleinen kubanischen Restaurant. Da gab es plötzlich Münchner Preise. Leider haben uns auch andere Reisende schaurige Geschichten von Handtasche-Wegziehen, Umzingeln usw. erzählt. Manche wollen um jeden Preis schnell zu Geld kommen.

3. Die Kubaner sind gleich

Zunächst einmal: Das Gleichsein besteht nicht im Klischee von der Zigarre im Mund. Zigarren haben wir nur bei älteren Männern auf dem Land gesehen. Was alle Kubaner aus unserer Wahrnehmung gemeinsam haben, ist, dass sie unglaublich kommunikativ sind. Viele sind immer auf dem Sprung und meistens im Gespräch mit jemandem. In den Häusern ist immer Durchlauf. Die Casas Particulares sehen ständig neue Gesichter, die mit der Gastgeberfamilie sprechen. Die Kubaner sind bestens vernetzt. Man hilft sich gegenseitig im oft schweren Alltag voller Entbehrungen. Das andere Klischee, das vom Tanzen auf der Straße, stimmt. Wir haben die Kubaner tanzen sehen, sobald Salsa-Musik live gespielt wurde. Und es tanzen sogar manchmal schon die Kinder. Mal auf der Bühne, mal mit den Eltern. Wir durften die Lebensfreude der Kubaner besonders gut kennenlernen, denn wir waren zum 55. Jahrestag der Abwehr der Schweinebucht-Invasion dort. Überall wurden Bühnen aufgestellt, überall wurde Musik gespielt und Salsa getanzt, wie z.B. in der Stadt Sancti Spiritus:

Tanz: Highlight jeder Kuba Reise
Tanzende Kids in
Sancti Spiritus

Die Lebensfreude und Musikalität waren eine große Inspiration für mich.

4. Last but not least: eine Kuba Reise ist traumhaft schön

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