My Camera Loves : Cadgwith, Cornwall

My Camera Loves : Cadgwith, Cornwall

Cadgwith ist der charmanteste Ort, den ich auf unserer Reise in Cornwall gesehen habe. Wenn ich daran denke, spüre ich jetzt noch die salzige Brise in der Nase und sehe zauberhafte alte Cottages vor mir.

Warum handelt mein Cornwall-Artikel von Cadgwith?

Während unseres Cornwall-Aufenthalts wohnten wir in einem hübschen ehemaligen Fischer-Cottage in St Ives. Über die Stadt habe ich schon früher nur Lob gehört und es war für mich bereits im Vorfeld unserer Reise klar, dass das der Ort in Cornwall werden würde, über den ich schreiben werde. Keine Frage, St Ives ist großartig: 5 Sandstrände, eine lebendige Künstlerszene, entsprechend kreative Cafés, kleine Läden mit lokalen Produkten, hervorragende Restaurants mit Speisen aus allen möglichen Ländern und dann dieses Labyrinth an Gassen, in dessen Mitte wir wohnten. Vom Hafen in St Ives mögen noch einige Fischerboote starten, trotzdem ist es heute mehr Badeort als Fischerdorf. Die Entscheidung, hier zu übernachten war nichtsdestotrotz gut. Im Herbst herrscht in St Ives eine angenehme Stimmung, aber es ist bereits ausreichend voll. Ich kann mir jedoch nicht vorstellen, dass ich mich im Sommer angesichts der Besuchermassen dort wohlfühlen würde. Den „My Camera Loves“-Artikel widme ich nach einer Reise immer dem einen Ort mit dem gewissen Etwas. Für die Auswahl  sind nicht nur visuelle Eindrücke entscheidend, sondern auch ganz wesentlich die Atmosphäre. Es muss der Ort sein, an dem ich Slow Life genießen kann und mich rundum wohl fühle. Cadgwith war in Cornwall dieser besondere Ort für mich.

Ort auf der wilden Lizard-Halbinsel

Die einspurige von dichten Hecken umgebene Straße nach Cadgwith ist abenteuerlich und eng. Manchmal muss man dem Gegenverkehr im Schneckentempo ausweichen oder im ungünstigsten Fall rückwärts eine hoffentlich nahe gelegene breitere Stelle ansteuern. Die entgegen kommenden britischen Autofahrer ließen uns freundlich vorbei und lächelten. Sofort dachte ich mir: In Cadgwith scheinen nette Menschen zu leben…Das Auto mussten wir an einem Parlplatz oberhalb des Ortes abstellen. Wir fanden es angenehm,  dass Autos weitgehend aus dem Dorf rausgehalten werden. Die Lizard-Halbinsel, wo Cadgwith liegt, ist bekannt für seine üppige Tier- und Pflanzenwelt. Als wir am Parkplatz ankamen, konnten wir uns gleich davon überzeugen. Ein Rotkehlchen (im Englischen sehr treffend Robin Red Breast genannt) sprang unter den Fahrersitz, nachdem Chris ausgestiegen war. Offensichtlich essen diese Vögel nicht nur Spinnen und Würmer, sondern auch Chips. Der freche, aber niedliche Vogel mochte die salzigen, sehr englischen Chips mit Essig offensichtlich genauso gerne wie wir und klaubte ein paar Krümel auf. Er schien, so wie die anderen Einheimischen, gar nicht schüchtern zu sein. Die Dorfbewohner setzten ihre Freundlichkeit, die wir bereits bei der Anfahrt erfahren hatten, nach unserer Ankunft fort und grüßten uns beim Vorbeilaufen warmherzig.

Rotkehlchen in Cadgwith
Freches Rotkehlchen

Ein Spaziergang durch das Dorf in salziger Brise

Auf dem Weg zum stimmungsvollen Fischereihafen beobachteten wir, wie ein paar Einheimische liebevoll ihr Reetdach-Cottage renovierten. Cottages sind im Allgemeinen kleinere Landhäuser, die ursprünglich von Fischern oder einfachen Bauern bewohnt wurden. Heute werden sie auch gerne als Ferienhäuser vermietet. Ich bin allgemein verliebt in diese malerischen gemütlichen Häuschen. In Cadgwith haben einige Cottages blaue Fensterrahmen und Sprossen, was für mich gut zum maritimem Flair des Ortes passt. Die meisten der hübschen Häuser des Dorfs am Rand der Lizard-Halbinsel, das seit dem 16. Jahrhundert bewohnt wird, sind aus Naturstein gebaut. Unten am Strand sieht man Fischerboote. Man kommt am Dorf-Pub vorbei, der wie fast überall in England auch Biergarten-artige Außenplätze bietet, wo man im späten Oktober sogar noch die Sonne einfangen konnte. Das „Cadgwith Cove Inn“ sieht aus wie einem Bilderbuch entsprungen. An Dienstagen und Freitagen werden in diesem Pub Seemannslieder gesungen. Leider konnte ich das nicht miterleben.

Klippenwandern ganz nah

Folgt man der Straße nach oben, steht man schon bald auf einem grünen Hügel mit einen weiten Blick über das Meer, den Strand und das Dorf. Hier gibt es Bänke, auf denen man sich niederlassen und die herrlich gute salzige Luft atmen kann. Das habe ich auch mit Freude getan. Dann geht es um eine Kurve und man kommt in Richtung Süden auf einen herrlichen Klippenwanderweg, der wunderbar weite Aussichten auf die felsig-grüne Natur und das rauhe Meer bietet. Schafe weiden in diesem Gebiet. Meine Höhenangst war am Rand der hohen Klippen etwas herausgefordert. Letztendlich überwog der Genuss aber bei weitem.

Bucht von Cadgwith
Bucht von Cadgwith

Cadgwith: Ein Ort der Sehnsucht für mich

Den salzigen Geruch, vom Wind noch intensiver gemacht, kann ich immer noch in der Nase spüren, wenn ich an unsere Stunden in Cadgwith denke. Es erfüllt mich mit Sehnsucht nach diesem abgeschiedenen Ort. Ich habe gemerkt, dass mich die abgelegenen Orte der Welt oft ganz besonders berühren. Ich werde in Zukunft vermehrt nach solchen Plätzen suchen. Und eins habe ich mir fest vorgenommen: Wenn ich einmal ein paar Tage eine wirkliche Auszeit machen möchte – ohne Umherreisen, dann wird das der Ort dafür sein.

Weitere Empfehlungen zu einem Trip nach Cadgwith

  • Bei der Anreise nach Cadgwith ist ein Auto hilfreich. Es gibt zwar einen Bus von Redruth und Helston nach Cadgwith, aber er fährt nicht bis zum Dorf. Beachtet, dass die Straßen sehr eng sind.
  • Cadgwith ist wunderbar als Tagesausflugsziel geeignet, wenn man zum Beispiel in St Ives oder an einem anderen Ort in Westcornwall übernachtet.
  • Ein Besuch des Dorfes lässt sich wunderbar mit Trips zu weiteren Spots der Lizard-Halbinsel ausdehnen. Ich empfehle Euch, danach zu Point Lizard zu fahren und einen Tee oder Kaffee auf der Terrasse im südlichsten Café Englands zu trinken. Von dort aus habt ihr einen grandiosen Ausblick auf das Meer und die Küste. Cornwall hat viele kleine süße Cafés und dieses ist ein sehr schönes Beispiel dafür. Wenn Ihr Glück habt, könnt Ihr unterhalb des Cafés Robben beim Schwimmen beobachten. Die Begegnung mit Robben in Cornwall hat mich tief berührt und war ein ganz besonderes Erlebnis für mich.
  • Auch zur Traumbucht „Kynance Cove“ ist es von Cadgwith aus nicht sehr weit. Der Strand gilt als einer der schösten der Welt. Hier findet man sehr interessantes Terrain zum Wandern. In dem schroffen Gelände fühlt man sich ein bisschen wie in den Alpen. Ich fand die grüne, aber zerklüftete Berglandschaft mit dem türkisen Meer im Hintergrund sehr reizvoll und einzigartig.
Kynance Cove Lizard-Halbinsel
Kynance Cove auf der Lizard-Halbinsel

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10 thoughts on “My Camera Loves : Cadgwith, Cornwall

    1. Ricarda Christina Hollweg

      Herzlichen Dank für den netten Kommentar, das freut mich sehr. Ja, Cornwall ist ein kleines Paradies…

  1. Wie gut ich dich verstehen kann, seit ein paar Jahren merke ich auch, wie mich abgeschiedene Orte besonders glücklich stimmen. Obwohl ich das viele Reisen, auch an beliebte Spots, mag und viel zu neugierig auf die ganze Welt bin, als dass ich mich auf wenige Orte begrenzen könnte, so ist es doch gut zu wissen, wo man hin muss, wenn man mal zur Ruhe und zu sich kommen muss.
    Für mich ist Grönland solch ein Ort. Abgeschieden, ganz anders. Aber solch süße Redhäuschen gibt es da natürlich nicht. vielleicht muss ich mir dann auch mal Cornwall anschauen, als etwas nähere Alternative. 🙂

    Liebe Grüße
    Nicole

    1. Ricarda Christina Hollweg

      Cornwall ist ein sehr entspanntes Reiseziel, wirklich gut, um Runterzukommen. Ich mag die Mischung gerne aus belebten und abgeschiedenen Orten. Wir haben unseren Cottage-Urlaub sehr genossen, sind allerdings trotzdem fast jeden Tag unterwegs gewesen, 🙂

      Liebe Grüße
      Ricarda

  2. Liebe Ricarda,
    Deine Beschreibung von Cornwall weckt schöne Erinnerungen bei uns. Cornwall ist so etwas wie unser ganz privates Urlaubsvergnügen. Wir waren schon öfter dort, und es zieht uns immer wieder dorthin – gerade wegen der kleinen Ortschaften, in denen die Zeit still zu stehen scheint. Dein Post macht Lust darauf, wieder einmal dorthin zu fahren.
    Liebe Grüße,
    Monika

    1. Ricarda Christina Hollweg

      Ja, ist es nicht ein tolles Reiseziel? Ich würde sehr gerne einmal wieder dorthin reisen. Es gibt noch sehr viel zu entdecken…
      Liebe Grüße
      Ricarda

  3. Liebe Ricarda,
    der Ort Cadgewith würde mir auch sofort gefallen. Es hat was märchenhaftes, sowas verträumtes. Auf die Touristenmassen hätte ich dort auch keine Lust. Da ist dann der Zauber nicht mehr vorhanden. Leider gibt es immer weniger Orte, wo man wenige Touris findet. Man selber ist ja schließlich auch einer davon. Toller Artikel, den ich sehr gerne gelesen habe.
    Liebe Grüße, Selda

    1. Ricarda Christina Hollweg

      Ja, das stimmt, es ist wirklich ein bisschen wir im Märchen. England hat einfach sehr schöne Landhäuser…. In Cornwall gibt es einige sehr ruhige Orte, an denen man weitgehend für sich ist. Freut mich, dass Dir der Artikel gefallen hat, danke für das nette Feedback.
      LG, Ricarda

  4. Liebe Ricarda… solche Orte sind voll mein Ding! Und was ich richtig süße finde sind die Reedhäuschen. Das drückt für mich eine Art „Gemütlichkeit“ aus. Ich liebe auch schön abgeschottete ruihige Orte wo noch die Natur herrscht. Diese Bucht sieht einladend aus!

    Ich hoffe das ich in den nächsten auch mal die Ecke besuchen kann.

    Liebe Grüße

    Saskia

    1. Ricarda Christina Hollweg

      Reetdachhäuser sind für mich als Bayern wahrscheinlich exotischer als für Dich, 😉 Natur hat man in Cadgwith in seiner schönsten Form um sich herum. Einen Trip nach Cornwall kann ich wärmstens empfehlen. Das war ein echter Traumurlaub für uns. LG Ricarda

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