Tibet – War es die Reise meines Lebens?

Tibet – War es die Reise meines Lebens?

Von Lhasa nach Kathmandu zu fahren, war mein großer Reisetraum. Chris und ich waren 10 Tage in Tibet unterwegs. War es wirklich eine Traumreise?

Wie sich Tibet anfühlt

Der Wind braust, es ist bitterkalt. Da die Türen offen stehen, wird es auch nachts im Schlafsack nicht warm. Dazu ist das Fenster unseres Zimmers kaputt. Ich leide, da ich Kälte und Wind nicht ausstehen kann. Und trotzdem fühle ich mich gesegnet. Ich übernachte weit weit oben, nahe des tibetischen Everest Base Camps. Vor dem „Everest Guesthouse“ steht ein weißes Yak. Vor dem benachbarten buddhistischen Nonnenkloster sind ein paar Zelte aufgebaut. Die Gemeinschaft mit den anderen Reisenden könnte nicht besser sein, denn alle teilen hier intensive Erfahrungen, gute wie schlechte. Am Abend haben sich alle den grandiosen Sonnenuntergang vor dem Mount Everest zusammen angesehen und fotografiert. Es wurden Stative aufgestellt und über Reisefotografie gefachsimpelt. Danach feierten wir ausgelassen den Geburtstag eines Mitreisenden, mit offen gesagt grausamem Kuchen. Das Essen in Tibet schmeckt allgemein nicht gut außer in Lhasa. Ich bekomme seit Tagen, so lange dieser Roadtrip schon dauert, kaum einen Bissen runter, denn ich bin nicht wirklich gesund. Umso besser schmeckt der heiße salzige Buttertee. Er hilft nicht nur gegen die Kälte, sondern auch gegen die Höhe. Auf 5.000 Metern kann die sehr Luft dünn werden…

Nonne vor dem Mount Everest
Mount Everest von Tibet gesehen
Yak beim Everest Guesthouse

Warum ich nach Tibet wollte

Die Vorstellung, quer durch die Mondlandschaft des Himalaya nach Nepal zu fahren, war mein großer Reisetraum. Tibet wurde das Land meiner Sehnsüchte, nachdem ich als Jugendliche das Buch „Auf der Suche nach dem Licht“ über die große Reisende Alexandra DavidNéel gelesen hatte. Die abenteuerliche Alexandra mischte sich unter tibetische Mönche, lebte allein als Einsiedlerin im  Himalaya und lernte den Dalai Lama kennen. Konkret wurden die Pläne, als ich 2013 in Peking in einem Hipsterviertel in einem tibetischen Café saß und Buttertee trank. Dort lag passend zum Motto des Cafés ein „Lonely Planet“-Reiseführer über Tibet, den man gar nicht nach China mitbringen darf und der Dir im Zweifel bei der Einreise abgenommen wird. Ich dachte mir: Wenn ich hier in Peking zurecht komme, kann ich auch nach Tibet fahren. Ich wollte unbedingt von Lhasa aus, der Stadt aus dem Film „Sieben Jahre in Tibet“ auf einer abenteuerlichen und eindrucksvollen Strecke quer durch den Himalaya in die nepalesische Hauptstadt Kathmandu reisen und dabei möglichst am Everest Gebiet vorbei kommen. Nie war die Sehnsucht nach einer bestimmten Reise größer.

Spezielles Wetter in Tibet

Zuerst erblickte ich Tibet aus dem Flugzeug nach Lhasa, inklusive Mount Everest bei klarster Sicht. Die Bedingungen für schöne Fotos können kaum an irgendeinem Ort besser sein als in Tibet. Der Himmel ist klar und tiefblau. So auch die Seen. Die Höhensonne rückt alles ins beste Licht. Ich bin mit nur mäßigem Foto-Equipment in Tibet gewesen und liebe diese Fotos aber trotzdem.
Auf den Fotos sieht das Wetter allerdings angenehmer aus als es ist. Das Licht kann blenden und der kalte Wind ist für mich einfach nur ein Alptraum.

Ist Tibet bequem? 

Dass die hygienischen Bedingungen ein Problem in der Mondlandschaft um den Mount Everest darstellen, habe ich im Vorfeld gewusst, zumal ich im Vorjahr in China bereits drei Wochen individuell mit dem Zug unterwegs gewesen war. Allerdings hatte ich keine Vorstellung davon, wie katastrophal es werden sollte. Also sei gewarnt: Wenn Du Tibet auf diese Weise bereisen möchtest, musst Du das eine Zeit aushalten.

Dafür waren die Hotelzimmer in der größeren Städten umso komfortabler. Hier gab es zum Beispiel eine Badewanne, was angesichts des kalten Windes ein Segen war. Damit habe ich nicht gerechnet. Viel Komfort haben wir auf unseren Asienreisen eher selten. Die Hotel-Lobbies waren riesig und golden. Das hatte nichts  mit der Romantik von Bergütten zu tun, von der mein Tibet-Fantasiebild geprägt war. In ländlicheren Regionen sah ich auch keine Berghütten, aber die exotische Deko und riesige Butterteekannen kamen meinen Vorstellungen schon näher.

Die Straßen waren erstaunlich gut ausgebaut. Da kannte ich aus anderen Himalaya-Ländern ganz andere Bedingungen.

Die Tibeter

Es laufen Menschen im Kreis um einen Platz. Sie haben häufig sonnengegerbte Gesichter. Die Pilger drehen Gebetsmühlen und murmeln vor sich hin. Vor einem farbenfrohen Tempel werfen sich Betende nieder. Viele Frauen haben dicke schwarze Zöpfe, dazu bunte Kleidung. Manche haben silbernen Schmuck an ihrer Kleidung und sehen aus wie aus einem Märchen…
Um diese eindrucksvollen Bilder zu sehen, muss man sich in Tibet nicht weit bewegen. Ein Spaziergang auf der heiligen kreisförmigen Barkhorstraße in Lhasa ist ausreichend. Nach Lhasa pilgern Menschen aus dem ganzen Land. Auch einige Nomaden sind dabei. Wenn Du gerne Menschen mit interessantem Aussehen fotografierst oder ein Streetphotographer bist, wirst Du in Lhasa Deine Freunde haben. Hier gibt es immer etwas Interessantes zu sehen.

Pilgern in Lhasa
Gebetsmühlen unter dem Potala Palast
Alte Tibeterin, modische Schuhe

Persönliches Fazit

Es war von allen die bisher anstrengendste Reise und das obwohl sie organisiert war (Durch Tibet darf man nicht individuell reisen). Und obwohl wir durch sechs Tage Trekking vorher in Nepal gut auf die Höhe vorbereitet waren. War es nun die Reise meines Lebens? Ja und nein. An Intensität war sie im Positiven wie Negativen kaum zu überbieten. Ich habe viele angenehmere Reisen erlebt, wo ich mehr Leichtigkeit und Freude fühlte. Trotzdem: Wenn ich an Tibet denke, sehe ich die interessanten Menschen, die Mondlandschaft, die Herden von Yaks, die klaren tiefblauen Seen…. Diese eindrucksvollen Bilder kann mir niemand nehmen und sie waren die recht anstrengende Reise absolut wert.

Stupa vor einem Nonnenkloster
Yakherde im Everest Nationalpark
Traditionell tibetische Architektur

Wenn Du weitere Fotos von Tibet sehen möchtest, wirst Du in meinem Flickr-Album fündig.

Der Artikel ist auch in en_GB verfügbar.

2 thoughts on “Tibet – War es die Reise meines Lebens?

  1. Hallo Ricarda,
    das muss ja eine aufregende Reise gewesen sein! Tibet hatte ich bisher noch nicht auf dem Schirm, aber in Nepal würde ich gerne mal wandern gehen.
    LG,
    Annika

    1. Ricarda Christina Hollweg

      Danke für den Kommentar, liebe Annika. Ja, Nepal kann ich auch nur wärmstens empfehlen. Dort haben wir einen sog. Community Trek gemacht, der der Berg-Bevölkerung zu Gute kommt. Vielleicht schreibe ich dazu auch nochmal einem eigenen Artikel. Liebe Grüße, Ricarda

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